Billigheimer Purzelmarkt

Seit fast 600 Jahren Billigheimer Purzelmarkt

Das älteste Vorlksfest der Pfalz ist der Billigheimer Purzelmarkt. Jedes Jahr im September beginnt der Festsonntag mit dem traditionellen Purzelmarkt - Umzug.

August Becker - Ein Zeitzeuge berichtet

Der Pfälzer Heimatdichter August Becker schreibt in seinem 1857 erschienen Buch “Die Pfalz und die Pfälzer” über den Billigheimer Purzelmarkt:

(...) Was Billigheim auszeichnet, ist sein Purzelmarkt. Dienstags, am dritten Tag des Jahrmarktes im Oktober (Damals noch Oktober), wallen ganze Scharen schon in der Nebelfrühe des Morgens aus allen Dörfern der Landschaft zum Billigheimer Purzelmarkt, der seit vierhundert Jahren sich durch alle Drangsale der schlimmen Zeitläufe erhalten hat. Von dem Rathause aus zieht mit vorgetragenen fliegenden Fahnen, an der Spitze der Gemeinderat mit dem Bürgermeister und den Festordnern zu Pferde, vor die Wälle, wo auf den Wiesen am Kaiserbach eine hohe Stange den Festplatz ankündigt. Böller- und Flintenschüsse, rauschende Musik und der Jubel der nachdrängenden Menschenmenge zu Fuß und zu Wagen erfüllen die Luft. Um den hohen Kletterbaum sammelt sich das Kollegium der Preisrichter; hoch flattern an Stangen die Preise in der Luft: Tücher, Seidenzeug, Chamois- und Kattunstücke. Dann beginnen die Spiele. Auf jungen Landgäulen sitzen die Burschen und Knechte: dort ein Elsässer mit der turbanartigen Fuchspelzmütze, den runden Stahlknöpfen an Wams und Hosen und dem roten "Brusttuch", neben ihm ein Nachbar aus den bayerischen Grenzorten am Bienwald, mit der hohen Kosakenkappe von Wolle, den enganliegenden Kleidern mit breiten Stahlscheiben besetzt, ein schlanker Geselle auf breitrückigem Fuchs; dort der krumme Burkhardt von Ingenheim auf seinem hübschen Halbaraber, der jedesmal den Preis erringt, und hinter ihm ein ganzer Trupp Gauburschen und Bauernknechte der Umgegend in den verschiedensten Trachten. Alle reiten ohne Sattel, mit Gerten und Peitschen um sich schlagend, denn jeder “Vortel” gilt, während sie pfeilschnell in gerader Linie mitten unter die jauchzende Menge dem Ziel zujagen.

Hierauf beginnt das Klettern nach dem Hahn auf der Spitze, wobei sich besonders die Waldbuben vom Gebirge und aus der Ebene auszeichnen. Dann folgt das Wettrennen zu Fuß, das der Männer und jenes der Mädchen aus den unteren Klassen. Einer der Festordner, gewöhnlich der Bürgermeister von Billigheim, sprengt zu Pferd vor der dahinsausenden mänaden- und furiengleichen Schar; die Dirnen sind entkleidet bis auf Hemd und kurze Röcke, das lose Haar flattert im Winde, die Röcke fliegen und das Volk jauchzt. Ich kann mich noch aus meiner Jugend erinnern, dass Zigeunermächten, die mitliefen, um die vordersten zu sein, sich am Schweif des vorreitenden Pferdes zur großen Unterhaltung des jubelnden Volkes festhielten. Während nun die Burschen und Dirnen, ihre Preise schwingend, jubelnd auf der Wiese umherhüpfen, ordnet man das "Purzeln" der Kinder an, was sich drollig ansieht. Sackrennen und das Rennen mit vollen Wasserkübeln nebst anderen Belustigungen machten sonst den Schluß.

Leider hat dieses echte und einzige Volksfest der Pfalz in neuerer Zeit viel an Teilnahme und Interesse verloren, weil sich die sogenannten "Gebildeten" immer mehr von ihm abwenden. Hätte man seine Aufmerksamkeit dem Purzelmarkt zugewendet und die landwirtschaftlichen Ausstellungen für die ganze Pfalz oder doch des Bezirks Landau an ihn geknüpft, statt zu zersplittern und nomadisch zu feiern, so sähe man ein uraltes pfälzisches Volksfest in neuern Glanze erstehen, statt daß wahrscheinlich in nächster Zeit der alte Brauch aus Mangel an Teilnahme eingehen wird. Freilich bietet der Purzelmarkt nicht mehr jene bunte Trachtenschau, da auch in dieser Gegend die Kleidung immer mehr jenen charakterlosen Zuschnitt annimmt, der die Leute weder städtisch noch ländlich, sondern nur albern und fade erscheinen läßt. Zudem dürfen auch keine Elsässer mehr mitreiten, und das allein entzieht dem Feste eine Menge malerischer Trachten. Doch auch jetzt noch, in seiner Abschwächung, ist der Purzelmarkt sehenswert. (Zitat August Becker)

Mehr zum Fest auf www.purzelmarkt.de